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11/17/17

Die Weihnachtskonzerte

finden dieses Jahr am 19. und 20.12. 2017 um 18.00 Uhr im Forum statt. Mitwirkende Ensembles: Bläserklassen, Chöre, Juniorblasorchester und Bigbands. Der Vorverkauf beginnt am 1.12.2017! 


Austausch mit der „Bednarska“ in Warschau 2017

Viva Polonia!

Nach der üblichen frühen und längeren Zugfahrt ohne größere Verspätung, der polnischen Bahn sei es gedankt, und bei schlechtem Wetter startete die Gruppe nach Warschau, das sich in der Folgezeit aber von seiner besten Wetterseite zeigte und so das umfangreiche Programm bezaubernd begleitete. Dieses Mal stand vor allem eine Beschäftigung mit Aspekten der Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart im Mittelpunkt. Aus deutscher Perspektive war es dabei wichtig, etwas über die deutsche Besatzung zu erfahren, um dann über die Erfahrung des Kommunismus zu aktuellen politischen Themen zu gelangen.

Entsprechend stand am ersten Tag gleich ein geführter Rundgang durch das Gebiet des ehemaligen Warschauer Ghettos auf dem Programm. Während man hier zwar mittlerweile eine Erinnerungslandschaft bestehend aus zahlreichen Mahnmalen antrifft, ist von der eigentlichen Bausubstanz des größten Ghettos nur noch wenig zu sehen, da die deutschen Besatzer das Ghetto nach dem Aufstand zerstörten und dann nach dem Warschauer Aufstand auch die verbliebenen Gebäude systematisch sprengten. Umso eindrucksvoller war dann etwa der Besuch der einzigen verbliebenen Überreste der Ghettomauer in einem Hinterhof im ehemaligen sogenannten kleinen Ghetto. Direkt im Anschluss konnten diese Aspekte dann im jüdischen Museum, dem POLIN vertieft werden. Das architektonisch eindrucksvolle Museum wurde 2016 als Europäisches Museum des Jahres ausgezeichnet und schafft es eindrücklich, die Geschichte der polnischen Juden nicht nur auf die Zeit des Zweiten Weltkrieges zu reduzieren, wenngleich hier ein deutlicher Schwerpunkt liegt. Neben der Geschichte von Verfolgung und Vernichtung wurde aber in der Führung sehr deutlich, wie groß und unwiederbringlich der Verlust ist, der durch den Holocaust entstanden ist.

Weitere Aspekte der deutsch-polnischen Geschichte konnten dann am nächsten Tag im Deutschen Historischen Institut besprochen werden. Frau Ruth Leiserowitz, die stellvertretende Leiterin des Instituts, nahm sich eine Stunde Zeit, um mit den SchülerInnen über ihre Erfahrungen und Einschätzungen zu sprechen und die Fragen zu beantworten. Deutlich wurde hier, dass die Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges deutlich präsenter im öffentlichen Raum seien und auch, dass man aus deutscher Perspektive nicht immer alle Fragen stellen und beantworten sollte. Die Beschäftigung mit der Zeit des Kommunismus stand dann im History Meeting House nahe der Warschauer Altstadt im Vordergrund. Anhand von Filmausschnitten auf die Geheimdienstberichte gesprochen waren, wurde den SchülerInnen deutlich gemacht, dass die Grundrechte im Kommunismus nicht geschützt waren, obwohl die polnische Verfassung dies auf dem Papier eigentlich vorsah. Die Fahrt hinauf auf die Aussichtsplattform der prominentesten Hinterlassenschaft des Kommunismus, den Kulturpalast im Zentrum Warschaus – ein „Geschenk“ von Stalin - bildetet dann auch einen passenden Tagesabschluss mit dem klaren Blick über die Stadt in der Abendsonne.

Am folgenden Tag traf man sich morgens in Praga, dem Stadtteil auf dem anderen Ufer der Weichsel, das nicht vollständig während des Krieges zerstört wurde. Auf einem Hinterhof befindet sich in einer alten Fabrik ein sehr kleines Museum der Volksrepublik Polen, bestehend aus zwei Räumen mit Alltagsgegenständen, die die Zeit des Kommunismus wiederauferstehen lassen. Höhepunkt hier sicher die „Milchbar“, an der man Brause nach Rezept aus der Zeit vor 1990 probieren konnte. Direkt daneben hing allerdings auch das Bild, dass den Kriegszustand, der 1981 in Polen verhängt wurde, am deutlichsten versinnbildlichte und, neben den vielen zum Schmunzeln herausfordernden Gegenständen, auf die Probleme der Menschen hinwies. Direkt gegenüber, schon etwas gentrifizierter gelegen, befindet sich das Museum der Neonreklame, das sich zum Auftrag gemacht hat, alte Neonschilder für die Nachwelt zu bewahren. Auch hier wurde deutlich, dass im Polen der 80er Jahre durch die Krise die Lichter ausgingen und danach die große Zeit der Neonlichter vorbei war. Ein Schritt Richtung Moderne bildete dann der Besuch im Sejm, dem polnischen Parlament, das als Institution jedoch schon auf Ursprünge im Mittelalter zurückblicken kann. Nach einer Erklärung des polnischen Regierungs- und Gesetzgebungssystems und zur Zusammensetzung des aktuellen Parlaments durfte man kurz auf der Besuchertribüne der Debatte um Rentenzahlungen folgen, auf Polnisch.

Aktuelle Probleme standen dann am letzten Programmtag bei dem Gespräch mit Lukasz Pawlowski, einem Soziologen und Redakteur bei der Onlinezeitschrift Kultura Liberalna, auf dem Programm. Herr Pawlowski ist ein Experte für US-amerikanische Politik und so spann sich der Bogen von der Frage, was Populismus sei mit dem Blick auf Donald Trump, bis hin zu der Feststellung, was eine Demokratie niemals zulassen dürfe um weiterhin als Demokratie zu funktionieren.

Ergänzt wurden die inhaltliche Erfahrungen durch die zahlreichen Gespräche in den Gastfamilien, die die deutschen SchülerInnen herzlich aufgenommen haben. Etwas Ausgleich und eine Möglichkeit zum Miteinander wurde abends durch Besuch einer Trampolinhalle und eines Escape Rooms geschaffen - Programmteile, die dann bei der Evaluation auch deutlich auf Zustimmung stießen. Das Programm selbst wurde großzügig vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk gefördert und findet seine Fortsetzung bei der Rückbegegnung in Berlin und Bad Nenndorf im Oktober.

Kay Tomhave   



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